Der neue Mazda 6 – Große Klappe, nichts dahinter

von Miriam Behrendt | 20. November 2008 | Kategorie: Autotest  |  58 Kommentare

Mit dem neuen Mazda 6 hat der japanische Autohersteller einiges vor: Er soll das „Zoom Zoom“ – Gefühl vermitteln, sportlich und elegant wirken. Gleichzeitig will Mazda mit japanischer Ästhetik und neuer Leichtigkeit überzeugen.
Ist das gelungen?

Die Kraft des „Yugen“

Als ich den neuen Mazda 6 das erste Mal sehe, finde ich ihn ganz schön schick. Kein Wunder. Laut Autohersteller ist das Design des Wagens vom japanischen „Yugen“ inspiriert, der „Schönheit des Unergründlichen“. Man wünsche sich, heißt es, eine Symbiose aus „Zedern im Morgennebel“ und „Samurai-Schwert“. Was auch immer das heißen mag.
Fakt ist, der Mazda 6 sieht sportlich aus. Fließende Übergänge, klare Formen und „Katzenaugen“ lassen ihn irgendwie athletisch und elegant wirken.
Die Innenausstattung ist schlicht, aber nicht sonderlich gemütlich.
Gut, der Mazda 6 will ja auch nicht gemütlich sein, sondern sportlich.

Ein kleines Rennen?

Eigentlich kann man es sich in dem Auto sowieso nicht gemütlich machen. Denn spätestens wenn man das erste Mal den Motor startet, fällt eins auf: Der Mazda 6 ist extrem laut. Als ich den Wagen vom Parkplatz fahre und leicht aufs Gaspedal gehe, heult der Motor so laut auf, dass ich kurzzeitig das Gefühl habe, ich bin auf dem Hockenheimring. Leider fahre ich aber mitten in der Stadt und ein paar männliche Passanten schauen mich mitleidig durch die Windschutzscheibe an. „Verdammt, ich bin keine Fahranfängerin mehr. Guckt nicht so“, denke ich, starte den Mazda 6 erneut, lasse vorsichtig die Kupplung los. Der Wagen hüpft ein Stück nach vorn. Ich versuche cool zu bleiben. Unwissend, dass das erst der Anfang ist.

Es tut weh!

Schon nach ein paar Minuten im „Stop and Go“ -Verkehr in der Stadt, merke ich plötzlich dass mein linkes Bein anfängt zu zittern. Nicht aus Angst vor dem lauten Motor (daran habe ich mich bereits gewöhnt), sondern weil ich so angestrengt versuche, die Kupplung unter Kontrolle zu halten, dass mein Knie nicht mehr mitmachen will. Der Pedalweg der Kupplung ist nämlich so lang, dass ich selbst nach mehrmaligem Verstellen des Autositzes keine Position finde, in der ich entspannt fahren kann. „Egal“, denke ich, „gleich geht’s auf die Autobahn, da hat der kleine Sportler bestimmt was zu bieten“.

Ich hab’ Angst!

Doch auch auf der Autobahn sammelt der Mazda 6 bei mir keine Pluspunkte.
Zum einen wird der Motor bei hoher Geschwindigkeit noch lauter als in der Stadt, zum anderen ist das Lenkrad des Wagens so locker, dass ich bei einer Geschwindigkeit von 160 km/h schon Angst habe, das Auto nicht mehr kontrollieren zu können.
Und das Gefühl wird erst recht nicht besser, wenn man den Mazda 6 mit aufs Land nimmt. Bei hoher Geschwindigkeit habe ich große Probleme, das Auto in den Kurven zu halten. Und auf Kopfsteinpflaster und unebenen Feldwegen ist das Lenken dann nur noch bei 30 km/h sicher möglich.

Leicht durch Abspecken

Dass der neue Mazda 6 so leicht „davonfliegt“, liegt vielleicht daran, dass er ganz schön abgenommen hat. Er ist nämlich 35 Kilo leichter als sein Vorgänger. Laut Hersteller soll der Wagen aber trotzdem „stramm“ auf der Straße liegen und sich nicht einmal von starkem Wind aus der Ruhe bringen lassen. Speziell daran heißt es, habe „Mazda“ im Windkanal gearbeitet.
Ich weiß nicht, ob ich für diese Technologie eventuell nicht sensibel genug bin, aber als ich auf der Autobahn einen LKW überhole und aus dessen Windschatten herausfahre, muss ich ganz schön das Lenkrad festhalten, um nicht in der Leitplanke zu landen.

Und das Fazit?

Es fällt mir schwer, dem neuen Mazda 6 etwas Positives abzugewinnen.
Was ich allerdings loben muss, ist der Sound. Das „Bose-Soundsystem“ mit seinen acht Lautsprechern sorgt für eine gute „musikalische Untermalung“, wenn der Motor mal wieder aufheult und passt die Lautstärke sogar an die Innengeräusche im Auto an. Dafür gibt’s den Daumen hoch.
Und auch das sportliche Design des Mazda 6 − ob man es nun als Symbiose aus „Zedern im Morgennebel“ und „Samurai-Schwert“ sieht oder nicht − finde ich sehr gelungen.
Aber das Fahrgefühl ist, um es auf den Punkt zu bringen, katastrophal. Ein viel zu lockeres Lenkrad, die schwerfällige Kupplung, die miese Kurvenlage und der heulende Motor treiben mir Schweißperlen auf die Stirn.
Am Ende der Probefahrt versuche ich noch elegant einzuparken, was mir aufgrund der schlechten Sicht nach hinten nicht gelingt. Toll, jetzt fühle ich mich wirklich wie eine Fahranfängerin. Also überlasse ich das Einparken lieber einem mutigen Mann, wische mir den Schweiß von der Stirn und bin froh, dass ich den Mazda 6 von nun an stehen lassen darf.